Mittwoch, 14. März 2018

Buchvorstellung "Gesichter Nordhalbens"


Otmar und Heidi Adler veröffentlichen „Gesichter Nordhalbens“ in einem sehenswerten Buch


Nordhalben. 270 bestens wiederhergestellte Arbeiten des Nordhalbener Fotografen Johann Köstner aus der Zeit zwischen 1900 und 1930 geben einen einzigartigen Einblick in die Welt des großen Frankenwaldortes zu Beginn des Industriezeitalters.

Sie sind nun in Buchform erhältlich, das Werk wird 
am Donnerstag, 22.03.2018
um 19:00 Uhr 
im Künstlerhaus Nordhalben vorgestellt. 
Dahinter stehen Otmar und Ehefrau Heidi Adler, die den „fotografischen Schatz“ 1978 „gehoben“ hatten. Rund 400 belichtete Glasplatten lagen jahrzehntelang unbeachtet und ungeschützt in einer alten Scheune, die einem Neffen des Fotografen gehörte. Beiläufig erfuhr das Ehepaar von diesem zur Entsorgung vorgesehenen Fund und sah sich die „alten Scherben“ an, schnell erkennend, was da unter zentimeterdickem Staub verborgen war. In nächtelanger Arbeit säuberte Heidi die verdreckten und teilweise zusammen geklebten Negative, während Otmar ihre Ergebnisse in seiner Amateur-Dunkelkammer auf Papier kopierte. Zutage kamen wunderbare Aufnahmen, die bisher alle Betrachter in Staunen versetzten. Zum einen über die gelungenen Arbeiten unter freiem Himmel in häuslicher Umgebung oder oft auch am nahem Schlossberg, zum anderen über die vielen Portraits im besten Sonntagsstaat. Dazu aber auch Landschaftsaufnahmen, winterliche Freuden, Feste und einige Alltags- oder Arbeitsszenen aus dem Ort. Etliche Platten waren fehlbelichtet oder beschädigt, aber auch davon haben die Buchautoren Beispiele ausgewählt, um weitgehende Vollständigkeit zu ermöglichen.

1979 konnten die Nordhalbener erstmals ihren Vorfahren in einer kleinen Ausstellung im Rathaus ins Gesicht blicken, als sich der Ort an seine 825-jährige Geschichte erinnerte. Damals gab es noch ältere Herrschaften, die eine ansehnliche Zahl der abgebildeten Personen identifizieren konnten. 2016 fand dann eine erweiterte Ausstellung der Fotos in der Alten Schule statt, die erstmals den prägenden Namen einer anderen historischen Fotoschau anlässlich der 850-Jahrfeier im Gasthof „Weißes Lamm“ adaptierte. Mit rund 3.300 Besuchern hatte die Veranstaltungen einen unerwartet großen Andrang. Aber es gab ja einiges zu Bestaunen: Die vielfältige Eleganz vor allem der Damen mit ihren Radhüten, dazu die Noblesse der Herren, die wohl dem „gehobenen Stand“ angehörten. Aber auch schon die Schul- Beicht- und Firmkinder waren herausgeputzt, ganze Familien drapierten sich in freier Natur oder im heimischen Garten. Manchmal dienten einfache Planen als Hintergrund, zumindest aber bei den Originalen sind auch die Hofsträucher, die Scheune oder altes Mauerwerk die gängige Staffage. Im Kontrast dazu Szenerien aus der umgebenden Kulturlandschaft, den Frankenwaldhöhen, Ausflugszielen und markanten Gebäuden. Drescharbeit mit großer Dampfmaschine und vielen gekonnt aufgereihten Menschen im Hof, organisiertes Rodelvergnügen. Während sich der Fotograf bei den Portraits an den üblichen Genrevorlagen orientierte, bewies er auch bei seinen anderen Aufnahmen ein gutes Auge und gestalterische Fähigkeiten. Gleich war jedoch die hervorragende fotografische Qualität der Vergrößerungen, die jedes Detail hervorbrachten. All diese Arbeiten und mehr sind nun im Buch thematisch geordnet.

Soweit bekannt, fanden die gefundenen persönlichen Zuordnungen samt „Hausnamen“ Eingang in den Index des Buches, der aber noch viele Lücken aufweist. Da die Zeitzeugen mittlerweile wohl alle gestorben sind, wird die Puzzle-Arbeit sicher noch schwieriger, aber so ist das Buch ein dankbares Feld für Historien-Detektive, die nun in aller Ruhe zuhause die Bilder analysieren können. Modebegeisterte kommen hier zum Zug, selten wird eine solche Kleider- und Accessoire-Vielfalt innerhalb einer definierten Zeitspanne aus einem Ort zu studieren sein. Darüber hinaus drücken fast alle Bilder ein offensichtliches Selbstbewusstsein der Dargestellten und ihres Fotografen aus, obwohl die Zeiten damals auch in Nordhalben lange von Armut, Krieg und Krankheiten geprägt war. Waren es nur Stolz und Eitelkeit, die die Bürger zu diesem sicher nicht billigen Vergnügen bewegten? Auch Haustiere kamen mit aufs Bild, selbst ein Schaf ziert die fröhliche Runde. Die Diskrepanz zwischen dem allgemeinen Mangel und den teils opulenten Bildern wäre sicher eine wissenschaftliche Betrachtung wert.

Das Buch „Gesichter Nordhalbens – Photografische Fundstücke 1900-1930“mit 288 Seiten erscheint als NohA-Projekt im Eigenverlag unter Mithilfe von Victor Cleve aus Essen (Layout) und Siegfried Scheidig aus Ludwigsstadt (Digitalisierung). Der im Vergleich zu Aufwand und Wert günstige Preis (29,00 Euro) wurde zur reinen Kostendeckung kalkuliert, etwaige Überschüsse werden für die nächsten NohA-Vorhaben verwendet. Die Herausgeber Otmar und Heidi Adler stellen ihr Werk im Künstlerhaus am Lindenplatz vor. Die Präsentation wird mit Bildern der Ausstellung und Fotoutensilien dekoriert, zur Feierstunde spielt das „NohA-Quartett“ Musik aus der Entstehungszeit der Aufnahmen. Eingeladen sind alle Interessierte aus Nordhalben und Umgebung (kein Eintritt). Die Buchautoren stehen für Nachfragen und anregende Gespräche zur Verfügung. nn

Zum Fotografen: 
Johann „Schanni“ Köstner, dessen Nachfahren das Gemischtwarengeschäft „Hutela“ im Ort betrieben, war wohl kein gelernter Fotograf. Den jungen Mann hatte die Not nach Amerika vertrieben, aus dem er um die Jahrhundertwende mit vielen neuen Eindrücken zurückkehrte. Vielleicht hatte er dort die Fotografiererei entdeckt, die er dann daheim mit einer 13x18-Stativ-Plattenkamera nebenberuflich einsetzte. Viel mehr weiß man heute nicht mehr von ihm, es existieren jedoch einige Portraits. Auch er blickt so, als wenn er durchaus wüsste, welchen großen Dienst er mit seinen Bildern der Nachwelt machen würde.

Zu den Herausgebern:
Otmar und Heidi Adler sind maßgebliche Mitgründer und „Macher“ der Nordhalbener Bürgerinitiative „NohA“ sowie des Künstlerhauses. Der Seniorchef des ortsansässigen Unternehmens „Adlerhaus“ fotografiert selbst ambitioniert seit seiner Jugend und ist zusammen mit seiner Frau Kunstliebhaber mit vielen Kontakten in die Kunstszene. Die Geschichte Nordhalbens zu bewahren ist beiden ein besonderes Anliegen, das auch im Historischen Ortsmuseum Nordhalben mündete.

Für NohA von Norbert Neugebauer

Freitag, 22. Dezember 2017

Weihnachtswünsche

Liebe Freunde und Unterstützer,

wir wünschen Euch ein gesegnetes, ruhiges und besinnliches Weihnachtsfest im Kreise Eurer Lieben, verbunden mit den besten Wünschen für das neue Jahr.


Voller Dankbarkeit blicken wir zurück auf ein aktives Jahr und das hierbei Geschaffene. So viele Menschen aus Nah und Fern haben mitgewirkt, haben ihre Ideen, Spenden und ihre Tatkraft eingebracht und dabei Großartiges geleistet:

  • Im August wurde unser Künstlerhaus offiziell eröffnet und bietet nun die Möglichkeit, fernab von Rummel und Lärm künstlerisch tätig zu werden.
  • Ein Kunstpfad mit Skulpturen namhafter Künstler wurde entlang der Badstraße angelegt und lädt zum Verweilen und Bestaunen ein.
  • Im Friedhof wurde die Leichenhalle neu gestaltet und macht es nun möglich, würdevoll von seinen Verstorbenen Abschied zu nehmen.

Das neue Jahr wird neue Herausforderungen bringen. Dank Eurer Unterstützung ist uns davor nicht bange, denn miteinander werden wir weiterkommen.

 NohA

Montag, 30. Oktober 2017

Sphärisches Blau und hinreißende Leuchttöne des Herbstes

Künstlerhaus Nordhalben präsentierte zum Abschluss seines Kunstjahres Werke von Anne Friederichsen

Vor Eintritt in die Winterpause präsentierte das Maxhaus großformatige Acrylarbeiten der Essener Künstlerin Anne Friederichsen. Ihre teilweise von Herbstimpressionen inspirierten, vielfältigen visuellen Vorstellungen versetzten die Besucher in einen wahren Farbenrausch.

Die Künstlerin, zwei Wochen zu Gast im Maxhaus, erklärte zu ihren Werken:" Ich befinde mich an einer Schnittstelle von abstrakter zu gegenständlicher Malerei. Energisch ineinander greifende Pinselstriche treffen starke Farbführung. Hell und Dunkel stehen gegenüber oder vereinigen sich im Verlauf. Sphärisches Blau, das uns Träume entlockt, wird von Erdtönen oder fleischlichem Rosé überlagert. Wie im richtigen Leben prallen Gegensätze aufeinander und ergeben im positiven Fall ein harmonisches Ganzes.

Reine Malerei - ein Tanz von Farben und Linien - löst sich zuweilen von jeder Vorstellung und lässt ein gegenstandsloses Potpourri entstehen. An anderen Stellen bündelt sich meine Kunst erneut zu erkennbaren Formen, die unsere Fantasie und unsere eigenen Vorstellungen beflügeln sollen.

Nicht nur jahreszeitliche Inspirationen konnte sich die Künstlerin im Frankenwald holen. Auch das "platte" Leben schenkte ihr Anregungen. So gewann sie einen tagelangen Kampf mit einem großen Steinofen, den sie täglich füttern und bei Laune halten musste.

Seinen künstlerischen Ausdruck bekam dieses Zusammentreffen in feinen, aschton - zart - farbigen Kompositionen, in denen die Betrachter/Innen sehr schnell Nordhalben - Perspektiven entdeckten.

Die Nordhalbener dankten ihr ihre wunderbaren, künstlerischen Einfälle mit viel Interesse und reger Anteilnahme. In zahlreichen Gesprächen ließen sie sich abstrakte Werke erklären und fanden so Zugang zu Bereichen, die ihnen bis dort hin unbekannt geblieben wären. Auch die Kernteam - Mitarbeiter von NohA partizipierten von Friederichsens großer Erfahrung als ehemalige Leiterin einer Essener Künstlervereinigung. Sie konnte wertvolle Ratschläge und zahllose Praxishilfen für die Führung eines Künstlerhauses, bei der wir erst noch viel Erfahrung sammeln müssen, geben. Sie wird, zusammen mit unseren fünf Essener "Stammkünstlern" und Künstlerinnen, auch für die weitere ZuKunst Nordhalbens, eine wertvolle Freundin und Beraterin sein.

Die abschließende Vernissage am Donnerstag, dem 12. 10., wurde mit Musik umrahmt, die sich passend in Grenzbereiche zwischen Impressionismus und Moderne, teilweise melancholisch, teilweise atonal anhörte. Während sich der Argentinier Astor Piazolla zwischen Sentiment und spontanem Aufbrausen bewegte, blieb die Musik des Franzosen Satie unbestimmt zwischen den Tonalitäten; der Hörer weiß nie genau, ob er seinen Höreindrücken tauen darf, oder ob nur einer Sinnestäuschung verfällt.

H.F. für NohA

Sonntag, 22. Oktober 2017

Außergewöhnliche Schieferkunst im und um das Künstlerhaus.

Berta Shortiss und Martijn Smits beflügelten Frankenwald - Schiefer zu unbekannten künstlerischen Höhenflügen

Zwei Wochen im September lebten und arbeiteten die Schweizer Bildhauerin Berta Shortiss und der Niederländische Künstler Matijn Smits im Nordhalbener Künstlerhaus.

Shortiss schuf die über zwei Meter hohe, sogenannte "Schiefertanne", die aus mehreren übergroßen Felsbrocken übereinander gesetzt wurde. Das Kunstwerk ziert den gerade entstehenden Skulpturen - Pfad. In elegantem Renaissance - Schwung zeigt sich die schwarz glänzende, ästhetisch glatte Skulptur, die alles Schwere des ursprünglich spröden Materials verloren hat und nun vielmehr den Charme wunderbarer Leichtigkeit verbreitet.

Bei aller Kunst darf die logistische Meisterleistung Otmar Adlers, des Initiators, Organisators und Motivators des Kunstpfades, nicht übersehen werden. Adler sichtete in den umliegenden Steinbrüchen geeignetes Material, stellte geeignetes Hub - und Transport- Gerät zur Verfügung oder organisierte Transporte, schuf geeignete Untergründe für die Aufstellung der Werke und wurde nicht müde, die Schiefer - Wünsche der Akteure zu berücksichtigen. Auch ihm gebührt großer Dank für seine selbstlosen Einsätze!

Leider konnte "sein" Skulpturenpfad nicht, wie ursprünglich geplant, in diesem Herbst noch eingeweiht werden. Bereits im August gesellten sich zwei Kunstwerke Volker Ullenbooms, der "Morpheus", bereits 2014 im Rahmen der HOLZ ART entstanden und Nordhalben als Geschenk überlassen! und die "Fünf Sinne", eigens für Nordhalben 2015 gefertigt, zu weiteren Werken. Die übergroße Skulptur "Antenna", von Smits 2014 ebenfalls für HOLZ ART geschaffen und dann Nordhalben geschenkt! muss wegen Materialproblemen auf seine endgültige Exponierung leider noch etwas warten. Wir werden zu geeigneter Zeit im Frühjahr weiter über dieses Projekt berichten.

Die Künstlerin Shortiss rang dem eigenwilligen Material Schiefer aber auch noch Aspekte ganz anderer Art ab. Im Atelier schuf sie kleine, feinsinnige, fast filigrane Werke; erst beim zweiten Hinsehen erkennt man tiefe Mehrdeutigkeit und Hintersinn. "Zwischenschichten" meint hier Bereiche menschlichen Seins, die uns nicht unbedingt zugänglich sind und nur künstlerisch abstrahiert in dem dunklen Schiefer ihre Projektionsfläche finden, aber auch dadurch erst für uns sichtbar werden.

Wunderbar andersartig war Smits Zugang zum schwarzen Frankenwald - Urgestein. Er ließ dem Material seine ursprüngliche Schwere, lenkte durch geschickte Farbgebung aber den Blick auf Strukturen, die dem Auge sonst verborgen geblieben wären.

Seine Thematik: "Ziegen, Schwalben, Scheunen", uns wohl allen bekannte Attribute des ländlichen Frankenwaldes, fanden sich in arttypischen, tiefen Spuren, vom Zahn der Zeit in den Stein eingegraben. So konnten zirkuläre Linien im Stein den Schwalbenflug verdeutlichen, schroffe, kantige Ebenen spiegelten den eigenwilligen Lauf der Ziegen und aufrecht ruhende Blöcke versinnbildlichten die Schwere von Menschen geschaffener Objekte. Bei der Abschlussveranstaltung verdeutlichte Smits noch einmal: Wenn man Tiere gestaltend eingreifen ließe, würde unsere Umwelt viel leichter und erträglicher gestaltet werden. Menschen müssen alles monströs übereinander türmen. So verstellen uns Hochhäuser den Blick in den Himmel. Die Bauwerke von Schwalben beispielsweise sind leicht, kaum merklich fügen sie sich in die Schöpfung ein.

Genau zur Halbzeit der Schieferwochen lud Smits Freunde, Nachbarn und sonntägliche Spaziergänger ein, sich selbst an Arbeiten mit Schiefer zu versuchen. Alle waren sich einig. Erst der geheimnisvolle, schwarze Untergrund kleiner Schiefertafeln, die in den phantasievollsten Formen zu finden waren, tritt Farbe in wahrlich neuen Qualitäten zu Tage und überrascht selbst seine "Schöpfer". Dabei wird jede noch so kleine und unbedeutende Schiefer - "Unterlage" zu einem kleinen Kunstwerk besonderer Art, wenn es erst einmal dem Steinbruch abgerungen und in neue Zusammenhänge gestellt wurde.

So gesehen waren die 1. Nordhalbener Schieferwochen ein weiteres kleines Highlight im Verlauf unseres Kunstjahres, bei dem heuer zwölf Künstlerinnen und Künstler in unserem Ort tätig wurden und uns mit ihrer Kunst bereicherten und beschenkten!

H.F. für NohA